Beziehungskontext

Kinder und Lehrpersonen

Wenn Lehrpersonen Kinder ungerechtfertigt benachteiligen oder sie nicht vor Diskriminierung durch Mitschülerinnen und Mitschüler schützen, führt dies zu Verunsicherung bei Kindern und Jugendlichen. Werden Vorfälle bagatellisiert oder tabuisiert, entstehen Muster des Schweigens, die das Vertrauensverhältnis nachhaltig schwächen. Das Verhalten von Lehrpersonen prägt entscheidend, ob Vielfalt respektiert wird oder ob Abwertung zur Normalität wird. Diskriminierung zu erkennen ist dabei nicht immer einfach. 

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Einschätzung

Wie schätze ich Situationen ein?

Professionelles pädagogisches Handeln setzt eine differenzierte Einschätzung voraus, die eigene Wahrnehmungen kritisch auf mediale Einflüsse oder Vorurteile prüft und Irritationen nicht vorschnell in Bewertungen, Zuschreibungen oder pädagogische Massnahmen übersetzt.

Anzeichen
  • Werden Kinder von Lehrpersonen gleichbehandelt – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Lernvoraussetzungen?
  • Reagieren Lehrpersonen konsequent, wenn diskriminierende Sprüche oder Handlungen im Unterricht auftreten?
  • Werden Erfahrungen von Kindern mit Diskriminierung ernst genommen oder als Missverständnis relativiert?
  • Haben Kinder das Vertrauen, eigene Erfahrungen mit Diskriminierung zu berichten?
  • Eine unreflektierte Aussage oder wahrgenommene Parteilichkeit können im Klassenzimmer grosse Wirkung entfalten und Vorurteile verstärken.
  • Schweigen oder Bagatellisieren von Diskriminierung durch Lehrpersonen kann Mitschülerinnen und Mitschüler signalisieren, dass abwertendes Verhalten erlaubt ist.
  • Machtgefälle zwischen Lehrpersonen und Kindern erschweren es Betroffenen, Diskriminierung anzusprechen oder Unterstützung zu holen.
  • Unsicherheit oder Überforderung von Lehrpersonen, etwa im Umgang mit komplexen gesellschaftlichen oder politischen Themen.
  • Persönliche Vorurteile oder blinde Flecken, die sich unbewusst in Sprache, Bewertungen oder Verhalten niederschlagen können.
  • Gesellschaftliche Konflikte (z. B. im Nahostkontext), die in den Unterricht hineinwirken und Wahrnehmungen sowie Reaktionen beeinflussen.
  • Fehlende gemeinsame Orientierung im schulischen Umgang mit Diskriminierung.

Aktiv werden

Wie können wir handeln?

Vertrauen gestalten

Das Verhältnis zwischen Lehrpersonen und Kindern und Jugendlichen prägt das Lernen und das Sicherheitsgefühl in der Schule. Werden Kinder und Jugendliche übergangen oder abgewertet – auch unbeabsichtigt –, kann Vertrauen rasch verloren gehen. Eine reflektierte Haltung, Offenheit für Rückmeldungen sowie Unterstützung im Kollegium helfen, dieses Vertrauen zu stärken.

Respektvolles Handeln, faire Bewertungen und eine sichtbare Wertschätzung von Vielfalt tragen dazu bei, Schule als Ort gegenseitiger Achtung und geteilter Verantwortung zu gestalten.

Im Schulalltag umsetzen

Vertrauen braucht Klarheit und Unterstützung. Lehrpersonen schaffen diese, indem sie Gemeinsame Orientierungen entwickeln und verbindlich festhalten – etwa zu Sprache, Umgang und Grenzen im Unterricht –  und diskriminierende Äusserungen konsequent unterbinden. Gleichzeitig gilt es, Kompetenzen zu fördern: Lehrpersonen sollen befähigt werden, sensible und kontroverse Themen fachlich sicher, fair und ohne Einseitigkeit zu behandeln. Kinder und Jugendliche brauchen Gelegenheiten, Empathie, Konfliktfähigkeit und Zivilcourage zu entwickeln. Verlässliche Netzwerke innerhalb der Schule (Schulsozialarbeit, Schulleitung) sowie externe Fachstellen – bieten zusätzlichen Rückhalt und schaffen Sicherheit für Kinder und Erwachsene.

Fallbeispiele

Beispiele aus dem Schulalltag

Unterstützung und Materialien
Wer kann in solchen Situationen unterstützen?
Melde-, Fach- und Beratungsstellen
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